Innovation, Zukunft, Landwirtschaft

Innovativ ist, was Zukunft schafft

Kolumne von Simon Steiner

 

Wie stellst du dir die Zukunft vor?

Wenn man Menschen diese Frage stellt, dann sprechen sie oft von einem silbrig-bläulich eingefärbten Bild. Metallische Oberflächen, Sterilität, Türen, die sich automatisch öffnen, usw.

Warum die Zukunft ausgerechnet aussehen soll, wie in einem OP-Saal? Keine Ahnung. Aber es scheint ein recht festsitzendes Bild zu sein, das sich Science-Fiction-Autor*innen wohl irgendwann mal in den 60er Jahren für ein galaktisches Fernsehprogramm ausgemalt haben.

Dass viele Menschen aber so ein silbriges Bild von der Zukunft im Kopf haben, bedeutet allerdings, dass viele Menschen sich auch Zukünfte vorstellen, die andere Menschen irgendwann mal erdacht haben. Diese Zukünfte haben dann aber leider nichts mit denen zu tun, die man sich selbst vorstellt. Sie übernehmen damit einfach die Zukunftsvorstellungen Anderer, ohne die eigenen Vorstellungen zuzulassen. Schade.

Nun aber mal zu den realistischen Farben der Zukunft:

Wenn man sich ernsthaft mit Zukunfts-Szenarien auseinandersetzt, sich anschaut, was in der Welt passiert, welche Bewegungen und Ströme es gibt, dann wird eine Zukunft mit recht großer Wahrscheinlichkeit vorerst nicht silber sein. Sie wird entweder gelblich braun und verdorrt sein, oder aber wunderbar bunt – in all den Farben, die die Natur zu bieten hat. Je nachdem, ob man eher pessimistisch oder eher optimistisch in die Zukunft blickt.

Da ich ein eher zuversichtlicher Mensch bin, kommt für mich eigentlich nur die farbenfrohe Variante in Frage.


Die Zukunft ist für mich wie ein großer Garten,
den ich bestellen und bearbeiten kann – und sollte.

Wenn ich mich nicht gerade um Die Präparatekiste kümmere, bin ich nämlich Zukunftsgestalter. Hauptberuflich. Die Zukunft ist für mich wie ein großer Garten, den ich bestellen und bearbeiten kann – und sollte.
Zukünfte entwickle ich prinzipiell im Sinne der Wünschbarkeit und mit dem Anspruch, reale menschliche Bedürfnisse zu verstehen und ihnen gerecht zu werden und dabei die planetaren Grenzen respektieren. Denn ohne das wird es keine bunte, lebenswerte Zukunft geben können.

Was hat das Ganze jetzt mit Innovation zu tun? Nun, ähnlich wie die Zukunft für viele Menschen seltsam silber aussieht, verbinden viele Innovation auch mit irgendetwas Technischem. Mit computergesteuertem Allerlei, selbstfahrenden Autos, künstlicher Intelligenz und hohem Energieverbrauch. Etwas, das Arbeitsplätze vernichtet und bedrohlich wirkt. Aber eigentlich ist eine Innovation ja nur etwas, das es in der Form oder Verbindung bisher noch nicht gab. Eine Erneuerung, weil, lat. innovare = erneuern. Das hat mit Technik also erst einmal gar nichts zu tun. Deshalb erlaube man mir auch den kleinen Seitenhieb: Der Einsatz moderner Technik macht einen noch lange nicht innovativ.

Mit diesem Bewusstsein wird Innovation zu etwas Neutralem. Allerdings: In meinen Augen ist eine wahre Innovation immer etwas, das Zukünfte erst möglich macht und sie nicht verhindert. Also nicht nur etwas Neues, sondern auch etwas Besseres im Vergleich zum Status-quo. Natürlich kann man mit Innovation den Diesel noch etwas effizienter machen. Aber wirklich innovativ wäre es zum Beispiel, komplett neue, zirkuläre Energiesysteme zu entwickeln.

Recht auf Zukunft

Fridays For Future demonstrieren vor allem für Eines: Ein Recht auf Zukunft.
Zukunft wird im Angesicht der großen Herausforderungen, denen wir zur Zeit entgegenblicken, zu einem schützenswerten Gut.
Eine von unserem Wirtschaftssystem zerstörte Welt macht Zukünfte unwahrscheinlicher, für viele Menschen unmöglich. Hier sind wir alle aufgerufen, mit allem, was uns zur Verfügung steht, Zukünfte zu ermöglichen. Demeter-Betriebe haben hier übrigens mehr zur Verfügung, als manchem klar ist.

Als Mensch oder Betrieb kann man sich jetzt überlegen, welche Welt man sich eigentlich wünscht (Zukunft). Mit diesem Wunsch im Hinterkopf kann man dann Neues erdenken, damit dieser Wunsch näher an die Realität heran rückt (Innovation). So können alle ihren Beitrag leisten und die Zukunft ein kleines bisschen mitgestalten und müssen das nicht anderen überlassen (Demokratie). Damit steigt die Chance, dass die Zukunft nicht silber-steril oder braun-verdorrt wird, sondern bunt, fruchtbar und lebenswert.

Wie genau man hier vorgeht und mit welchen Werkzeugen man sich konkret an die Arbeit macht, die Zukunft positiv mitzugestalten, werde ich in den nächsten Präparatebriefen beschreiben.

In diesem Sinne und bis zum nächsten Mal,
Simon Steiner

 

 

Simon ist Innovationsstratege und Dozent für Innovation und nachhaltiges Unternehmertum. Aufgewachsen auf einem Demeter-Hof in Schleswig-Holstein haben ihn die Prinzipien des biodynamischen Wirtschaftens immer begleitet und die Ganzheitlichkeit eines Demeter-Hofes war stets eine wichtige Inspirationsquelle für sein Handeln. 2008 hat er Die Präparatekiste zusammen mit dem Demeter-Landwirt Wedig von Bonin ins Leben gerufen und betreibt sie heute als Kollektiv zusammen mit zahlreichen Akteur*innen im deutschsprachigen Raum.Direkt an der Schnittstelle von Demeter-Landwirtschaft, Forschung, Innovation und Unternehmertum schreibt Simon nun für den Präparatebrief die Kolumne „Innovation, Zukunft, Landwirtschaft“. Ein oft ungewohnter Blick und manchmal eine unbequeme Meinung. Aber stets pragmatisch und mit der Zukunft im Blick.

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